Mehrweg

Das Mehrweg-System funktioniert über eine Pfandabgabe auf Mehrweggetränkeverpackungen, die wiederverwendet und neu befüllt werden. Die Mehrweg-Flaschen werden chemisch gereinigt und dem Warenkreislauf erneut zugeführt. Mehrwegflaschen können aus Glas oder PET-Kunststoff bestehen. Auf alle Mehrwegflaschen wird ein Pfand erhoben, dies ist im Gegensatz zur bepfandeten PET-Flasche und Dose jedoch nicht einheitlich. Das Pfand für Mehrweg beträgt in der Regel 15 Cent – bei Bierflaschen aus Glas nur 8 Cent. Für spezielle Flaschen, wie zum Beispiel Bügelflaschen, kann auch ein höheres Pfand erhoben werden.

Ökobilanz bei Glas-Mehrweg wird zunehmend schlechter

Der größte Vorteil der Mehrwegglasflasche war früher, dass es nur wenige Standard-Flaschentypen gab, die von fast allen Abfüllern verwendet wurden. Daher konnten Mehrwegglasflaschen sehr oft wieder verwendet werden. Die Transportentfernungen waren geringer, da die leeren Mehrwegglasflaschen nicht zum Ursprungsabfüller gebracht werden mussten, sondern meist zum nächst gelegenen Abfüller. Doch dieser Vorteil verringert sich stark:

  • Immer mehr Brauereien, Mineralbrunnen, Saft- und Limonadenhersteller nutzen eigene Flaschentypen, sogenannte Mehrweg-Individualflaschen. Der Marktanteil von Mehrweg-Individualflaschen wächst.

  • Aufgrund dieser immer größerer Flaschenvielfalt können Mehrwegglasflaschen von immer weniger Abfüllern genutzt werden

  • Dadurch kommt es zu weiteren Transportentfernungen für das Leergut, einem höheren Sortieraufwand, mehr Fehlflaschen und unter dem Strich zu deutlich weniger Umläufen

  • Die Nutzungszyklen von Mehrwegflaschen sinken. Gründe hierfür sind Fremdbefüllung durch den Verbraucher sowie ihre unzureichende Bruchsicherheit.

Tabelle 1: Anzahl der Wiederbefüllungen/Umläufe bei Bier

  Mit Tausch Ohne Tausch
Pool-Mehrweg-Flasche 36 8
Individual-Mehrweg-Flasche 23 4

"Umlaufzahlen und Transportentfernungen in der Getränkeindustrie", Deloitte, Dezember 2013

Tabelle 2: Anzahl der Wiederbefüllungen/Umläufe bei Wässer/Erfrischungsgetränke

  Umläufe bei Wässer / Erfrischungsgetränken
Pool-Mehrweg-Flasche 38
Individual-Mehrweg-Flasche 23
PET-Mehrweg-Flasche 19

"Umlaufzahlen und Transportentfernungen in der Getränkeindustrie", Deloitte, Dezember 2013

In 2013 gab es über 100 Individualflaschen bei Bier

Die Individualflasche verschlechtert die Ökobilanz

  • 1985 gab es z. B. bei Bier im Wesentlichen nur eine Standard-Flasche (Mehrweg-Pool-Flasche „Euro“)

  • 1995 dominierten drei Mehrweg-Flaschentypen den Markt

  • Heute sind an die 1.500 verschiedene Mehrweg-Flaschentypen im Markt sowie 3.000 verschiedene Kästen

Aufgrund der Individualisierung der Mehrwegglasflasche verringern sich die Umläufe zur Wiederbefüllung. Die individualisierten Flaschen können den jeweiligen Abfüllern nur unter hohem Aufwand zurückgebracht werden. Dies wirkt sich negativ auf den vermeintlichen „ökologischen Vorteil“ des Mehrwegsystems bei Glas aus.